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Heinrich-Heine-Gymnasium

Dortmund

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Lernzeit

Zum Bildungsverständnis unserer Schule zählt seit langem das Ziel, unsere Schülerinnen und Schüler zu autonomen Menschen zu erziehen. Abgleitet aus dem Griechischen (Autos = selbst, nomos = Gesetz) im Sinne einer Selbstgesetzgebung, Selbstgesetzlichkeit, zielen unsere pädagogischen Bemühungen nicht auf die Ausbildung von Persönlichkeiten, die ohne den Blick auf ihre Mitmenschen nur ihr „eigenes Ding machen“ wollen. Vielmehr geht es uns   sowohl um Selbstständigkeit als auch um Selbstverantwortung, um die Fähigkeit zur Ideologie- und Normenkritik einerseits, um die Einsicht in das gesellschaftlich Notwendige andererseits.

Gefordert ist eine Ausbildung, die auf die Entwicklung von Sachkompetenz, Sozialkompetenz und Selbstkompetenz gleichermaßen Wert legt. Unsere Schule hat in der Öffentlichkeit immer wieder das Image erhalten, den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Sachkompetenz zu legen. Wenngleich das in dieser Verallgemeinerung nie gestimmt hat, so haben wir uns doch in den letzten Jahren auf den Weg gemacht, Unterricht und Schulleben so zu gestalten, dass unsere Schülerinnen und Schülern zunehmend stärker in die Verantwortung für sich selbst und das Ganze eingebunden werden. So sollen sie erfahren, dass schulisches Lernen mehr ist, als Lehrer geleiteter Unterricht. Sie sollen lernen, mit Freiheitsspielräumen verantwortlich umzugehen, Selbstverpflichtungen auch ohne direkte Kontrolle durch Lehrer einzuhalten. Sie sollen an der Gestaltung des Schullebens des HHG aktiv mitwirken wollen und können.

Dass solche Prozesse äußerst langwierig und von Rückschlägen gekennzeichnet sind, wissen nicht nur die Skeptiker. Unsere Schule hat sich aber aufgemacht, diesen Weg zu gehen. Die konzeptionelle Weiterentwicklung unseres Schulprogramms in den letzten Jahren hat zur Entwicklung eines Lernzeitkonzepts geführt. Da dieses Konzept aber über das  Verständnis reiner Lernzeit hinausgeht, haben wir es „Schulzeitkonzept“ genannt.

Als Schulleiter freue ich mich, dass die Schulkonferenz diesem Konzept zugestimmt hat, da es das traditionelle Verständnis von Unterricht überwindet und uns vielfältige Chancen eröffnet, Unterricht und Lernen am HHG zu verbessern, das Schulleben weiterzuentwickeln und unser Ziel, autonome Menschen zu erziehen, nachhaltig unterstützt. In unserem Schulprogramm 2010 heißt es dazu:

„Das traditionelle Verständnis von Unterricht und schulischem Lernen bezieht sich auf die Zeit, in der vom Lehrer geleiteter Unterricht verläuft. Alle Abweichungen von dieser Situation werden bisher als defizitär betrachtet (z.B. Vertretungsunterricht, Projektunterricht, Selbstlernphasen usw.).

Schulisches Lernen, das sich an einem entwickelten Begriff von Bildung orientiert, darf aber nicht von einer derart verkürzten Betrachtungsweise ausgehen. Wenngleich der vom Lehrer geleitete Unterricht im Zentrum schulischen Lernens steht, so erfordern erfolgreiche Lernprozesse ein Lernarrangement,   das neben der klassischen Unterrichtszeit den Schülerinnen und Schülern umfassendere Möglichkeiten bietet, ihre Lernprozesse selbst zu organisieren bzw. sich von anderen Schülerinnen und Schülern dabei unterstützen zu lassen (tutoriell organisiertes Lernen).   Dieses Gesamtarrangement nennen wir am HHG Lernzeit.

Darüber hinaus ist Schule mehr als nur ein Ort, an dem ausschließlich gelernt wird. Pausen dürfen nicht als notwendiges Übel angesehen werden, sondern müssen als ein wichtiges Element der unverzichtbaren Erholungszeit reflektiert und gestaltet werden.

Zunehmend größere Beutung kommt der Beratungszeit zu. Der steigende Grad an Standardisierung und Formalisierung von Ausbildungsprozessen und Leistungsüberprüfungen erfordert es, den einzelnen und seinen individuellen Lebensweg stärker im Auge zu behalten. Der Aufbau eines Beratungsnetzwerks am HHG soll sicherstellen, dass jeder Einzelne die vom ihm benötigte Beratung erhält, gleichzeitig aber der Vielschichtigkeit vieler Problemlagen im schulischen Bereich Rechnung getragen werden kann.“

Wenngleich noch viele Schwierigkeiten überwunden werden müssen, sind wir nach meiner Meinung mit unserem Schulzeitkonzept auf dem richtigen Weg. Ich lade alle Beteiligten herzlich ein, ihn mit Leben zu füllen.

 

Detlef v. Elsenau, im Oktober 2010